Shopify passt zu Händlern, die Marketingautomatisierung und App-Anbindungen nutzen wollen; BigCommerce ist eine Option für Shops, deren benötigte Funktionen im passenden Tarif enthalten sind und deren Zahlungsanbieter die zusätzliche Anbietergebühr vermeidet. Für einen Onlineshop in Deutschland hängt die Entscheidung damit vom Zahlungsweg, den Arbeitsabläufen und den Tarifgrenzen ab. BigCommerce führte zum 1. Juni 2026 eine Gebühr für bestimmte Zahlungsanbieter ein. Shopify Payments ist in Deutschland verfügbar, sofern das Unternehmen die geschäftlichen Voraussetzungen und Verifizierungsanforderungen erfüllt.
Beide Anbieter sind gehostete E-Commerce-Plattformen. Für die Auswahl zählt neben dem Abonnement, welche Gebühren bei jeder Bestellung entstehen, welche Funktionen der Tarif enthält und welche Erweiterungen zusätzlich bezahlt werden müssen.
Wie der Zahlungsanbieter die Plattformgebühr beeinflusst
Bei beiden Plattformen ist der Anbieter entscheidend, der eine Zahlung tatsächlich abwickelt. Die Gebühren für diese Zahlungsabwicklung sind ein eigener Kostenbestandteil. Zusätzlich kann die Shop-Plattform eine tarifabhängige Transaktions- oder Anbietergebühr erheben.
Shopify: Zahlungsabwicklung und Drittanbietergebühr
Bei Shopify Payments entfällt die separate Drittanbieter-Transaktionsgebühr von Shopify. Die Zahlungsabwicklungsgebühren von Shopify Payments bleiben bestehen. Deutschland gehört zu den unterstützten Ländern für Shopify Payments; die Zulassung hängt unter anderem von der Geschäftskategorie und den erforderlichen Nachweisen ab.
Für Zahlungen über einen Drittanbieter nennt die Shopify-Tarifübersicht separate Plattformgebühren von 2 % auf Basic, 1 % auf Grow, 0,6 % auf Advanced und 0,2 % auf Plus. Hinzu kommen die Abwicklungsgebühren des jeweiligen Zahlungsanbieters.
Für die Kostenplanung ergeben sich daraus zwei unterschiedliche Wege:
- Shopify Payments: Abonnement plus Zahlungsabwicklung, ohne separate Drittanbieter-Transaktionsgebühr.
- Drittanbieter: Abonnement plus Shopify-Transaktionsgebühr plus Zahlungsabwicklung des Drittanbieters.
Wer bereits einen Zahlungsanbieter nutzt und ihn bei einem Plattformwechsel behalten möchte, sollte deshalb dessen Gebühren zusammen mit der zusätzlichen Shopify-Gebühr kalkulieren. Ein niedrigerer Prozentsatz im höheren Tarif kann die Zahlungskosten senken; für die Tarifentscheidung zählt aber auch der zusätzliche Abonnementpreis.
BigCommerce: Gebührenfreiheit gilt für bestimmte Zahlungswege
BigCommerce führte mit seiner Tarifänderung zum 1. Juni 2026 die Open Payment Provider Fee ein. Gleichzeitig wurden Standard, Plus, Pro und Enterprise in Core, Growth, Scale und Performance umbenannt.
BigCommerce unterscheidet zwei Anbietergruppen:
- Embedded Payment Provider: Anbieter auf der BigCommerce-Liste, deren tatsächlich abgewickelte Bestellungen von der Open Payment Provider Fee ausgenommen sind.
- Open Payment Provider: Anbieter außerhalb dieser Liste, deren berechtigtes Bestellvolumen die tarifabhängige Gebühr auslöst.
Die BigCommerce-Gebührenübersicht nennt für Open Payment Provider 2 % auf Core, 1 % auf Growth und 0,6 % auf Scale. Bei Performance gelten vertragliche Konditionen. Berechnungsgrundlage ist das gebührenpflichtige Bestellvolumen nach den BigCommerce-Regeln.
Zur Liste der Embedded Payment Provider gehören unter anderem Stripe, PayPal Wallet, PayPal Complete Payments und BigCommerce Payments. Die Ausnahme gilt auf Bestellebene: Wickelt PayPal Wallet eine Bestellung ab, entfällt für diese Bestellung die Open Payment Provider Fee. Wird eine andere Bestellung über einen Open Payment Provider abgewickelt, fällt die Gebühr dafür an. Ein zusätzlich angebotener PayPal-Button ändert daran nichts.
BigCommerce ist deshalb nicht bei jedem Zahlungsanbieter frei von zusätzlichen Plattformgebühren. Auch beim gebührenbefreiten Zahlungsweg bleiben die Abwicklungsgebühren des Anbieters bestehen. Für Bestandskunden kann die Umstellung laut BigCommerce bei Jahresverträgen zum Ende der laufenden jährlichen Leistungsperiode erfolgen; bei Monatsverträgen erfolgte sie nach der Ankündigungsfrist am oder nach dem 1. Juni 2026.
Integrierte Funktionen, Apps und B2B-Anforderungen
Der passende Tarif richtet sich nach den Aufgaben im Shop. Eine enthaltene Funktion kann eine zusätzliche App überflüssig machen, wenn sie den benötigten Ablauf abdeckt. Umgekehrt kann eine Erweiterung sinnvoll sein, wenn der Shop einen spezielleren Prozess braucht.
Die aktuellen Funktionsübersichten von Shopify und BigCommerce nennen folgende Tarifgrenzen:
| Arbeitsablauf oder Funktion | Shopify: Tarifumfang | BigCommerce: Tarifumfang |
| Rückgewinnung nach abgebrochenem Einkauf | Wiederherstellung abgebrochener Checkouts auf Basic, Grow und Advanced | Warenkorbrückgewinnung ab Growth |
| B2B-Angebote und Kundenstruktur | Bis zu drei B2B-Kataloge auf Basic, Grow und Advanced; unbegrenzte Kataloge auf Plus | Kundengruppen und Segmentierung ab Growth; Preislisten und artikelbezogene Kundengruppenpreise in höheren Tarifen |
| Support | Rund um die Uhr; Kontaktkanäle abhängig vom Tarif | Chat und E-Mail rund um die Uhr auf allen Tarifen; Telefonsupport ab Growth, auf Core als Zusatzoption, sofern verfügbar |
Verkauf und Marketing: enthaltene Werkzeuge gezielt nutzen
Shopify führt Wiederherstellung abgebrochener Checkouts, Kundensegmente und Marketingautomatisierung als enthaltene Funktionen auf. Für einen kleinen Shop, der diese Aufgaben ohne mehrere separate Erweiterungen organisieren möchte, sind das konkrete Ansatzpunkte für die Tarifbewertung.
BigCommerce enthält Produktbewertungen, einen Blog, mehrere Währungen und Echtzeit-Versandangebote. Kundengruppen und Warenkorbrückgewinnung beginnen bei Growth. Produktfilter sind auf Scale und Performance enthalten. Zudem nennt BigCommerce mehr als 70 integrierte Rabattoptionen.
Die Tarifgrenze kann damit wichtiger sein als die bloße Existenz einer Funktion. Wer Warenkorbrückgewinnung benötigt, muss bei BigCommerce mindestens Growth einplanen. Wer Kunden durch ein umfangreiches Sortiment mit Produktfiltern führen möchte, muss die enthaltene Filterfunktion auf Scale oder Performance berücksichtigen. Native Funktionen sind besonders dann nützlich, wenn sie einen sonst zusätzlich eingekauften Baustein tatsächlich ersetzen.
B2B: Kataloge und Kundengruppen erfüllen unterschiedliche Aufgaben
Shopify erlaubt auf Basic, Grow und Advanced bis zu drei B2B-Kataloge; Plus enthält unbegrenzte Kataloge. Für die Auswahl ist deshalb die Zahl der benötigten Kataloge ein konkretes Kriterium.
BigCommerce bietet Kundengruppen und Segmentierung ab Growth. Höhere Tarife führen Preislisten und artikelbezogene Preise für Kundengruppen auf. Ein Großhandel mit unterschiedlichen Käufergruppen sollte prüfen, welche dieser Preisfunktionen sein Angebot benötigt und in welchem Tarif sie enthalten sind.
Kataloge, Kundengruppen und Preislisten sind unterschiedliche Werkzeuge. Ein sinnvoller Vergleich bildet einen vollständigen B2B-Ablauf ab: Ein Geschäftskunde erhält das vorgesehene Sortiment, sieht seine Preise und kann die Bestellung über den vorgesehenen Prozess abschließen. Dazu gehören auch die erforderlichen Freigabe- und Bestellabläufe. Die passende Plattform hängt von diesen Anforderungen ab, nicht allein vom Etikett „B2B“.
Support und internationaler Verkauf
Für ein kleines Team ist neben der Erreichbarkeit auch der Kontaktkanal wichtig. BigCommerce enthält Chat und E-Mail rund um die Uhr auf allen Tarifen. Telefonsupport beginnt bei Growth; auf Core kann er als Zusatzoption verfügbar sein. Shopify nennt Support rund um die Uhr mit tarifabhängigen Kontaktkanälen. Wer telefonische Unterstützung als festen Bestandteil des Betriebs braucht, sollte diesen Zugang in die Tarifwahl aufnehmen.
Beim internationalen Verkauf führt Shopify lokale Währungen, Sprachen und lokalisierte Verkaufswerkzeuge auf. Einige Funktionen setzen Shopify Payments voraus. BigCommerce enthält Mehrwährungsfunktionen. Für einen deutschen Händler mit Kunden im Ausland gehören daher die benötigten Sprachen, Währungen, Zahlungsarten und Versandabläufe in die Anforderungsliste.
Integrierte Funktionen oder zusätzliche Apps
Shopify nennt Anbindungen an Tausende Apps. Das schafft Auswahl für Erweiterungen, macht aber eine Kalkulation der tatsächlich benötigten Apps erforderlich. Deren Gebühren kommen gegebenenfalls zum Plattformabonnement und zu den Zahlungskosten hinzu.
Bei BigCommerce können enthaltene Funktionen wie Produktbewertungen, Versandangebote oder Warenkorbrückgewinnung den Bedarf an zusätzlichen Erweiterungen verringern. Voraussetzung ist, dass der ausgewählte Tarif die Funktion enthält und sie den gewünschten Ablauf abdeckt.
Für die Entscheidung eignet sich eine Funktionsliste mit drei Zuordnungen: im geplanten Tarif enthalten, durch eine kostenpflichtige Erweiterung abgedeckt oder nur mit einem höheren Tarif erreichbar. Das verhindert, dass ein günstiges Einstiegsabonnement den Blick auf die laufenden Gesamtkosten verstellt.
BigCommerce-Schwellen und Gebühren bei wachsendem Umsatz
Bei BigCommerce kann steigender Umsatz einen automatischen Tarifwechsel oder zusätzliche Gebühren auslösen. Die Tarifregeln verwenden dafür das Inclusive GMV, also das nach BigCommerce-Regeln berechnete Bruttowarenvolumen. BigCommerce reduziert den zugrunde gelegten Bruttobestellwert dabei um 10 %.
Die Grenzen sind in US-Dollar angegeben:
- Core: 30.000 US-Dollar Inclusive GMV innerhalb der zurückliegenden zwölf Monate; bei Überschreitung erfolgt ein automatisches Upgrade.
- Growth: 100.000 US-Dollar Inclusive GMV innerhalb der zurückliegenden zwölf Monate; auch hier greift ein automatisches Upgrade.
- Scale: monatliche Grenze von 33.333 US-Dollar Inclusive GMV; auf den Betrag oberhalb der Grenze fällt eine Mehrumsatzgebühr von 0,9 % an.
Die Betrachtungszeiträume unterscheiden sich. Core und Growth berücksichtigen jeweils die zurückliegenden zwölf Monate. Scale verwendet eine monatliche Grenze. Ein Shop mit saisonalen Spitzen sollte deshalb neben dem Jahresverlauf auch seine stärksten Verkaufsmonate betrachten.
Die Mehrumsatzgebühr auf Scale ist außerdem ein anderer Kostenbestandteil als die Open Payment Provider Fee. Die eine hängt vom monatlichen Umsatz oberhalb der Grenze ab, die andere vom Zahlungsanbieter und dem darüber abgewickelten gebührenpflichtigen Bestellvolumen. Beide Mechanismen gehören in eine Wachstumsrechnung.
Für einen Plattformvergleich lässt sich die laufende Kostenstruktur so aufbauen: Abonnement, Zahlungsabwicklung, zusätzliche Plattformgebühren, bezahlte Erweiterungen und umsatzabhängige Tarif- oder Mehrumsatzkosten. Bei BigCommerce sollte die Rechnung mehrere Umsatzstufen abbilden, damit ein automatischer Tarifwechsel nicht erst während des Wachstums auffällt.
Welche Plattform passt zu welchem Zahlungs- und Arbeitsablauf?
Shopify wählen, wenn Automatisierung und App-Anbindungen den Bedarf abdecken
Shopify ist eine passende Option, wenn die enthaltenen Kundensegmente, Marketingautomatisierung und Checkout-Rückgewinnung Ihre täglichen Aufgaben abdecken und Sie weitere Funktionen über Apps ergänzen möchten. Für B2B-Shops mit bis zu drei benötigten Katalogen kommen laut Funktionsübersicht bereits Basic, Grow und Advanced infrage.
Nutzen Sie Shopify Payments und erfüllen die Voraussetzungen in Deutschland, entfällt die separate Drittanbieter-Transaktionsgebühr. Möchten Sie einen anderen Zahlungsanbieter behalten, gehört dessen Abwicklungsentgelt zusammen mit der Shopify-Transaktionsgebühr in die Kalkulation.
BigCommerce wählen, wenn enthaltene Funktionen und Zahlungsweg zusammenpassen
BigCommerce ist eine passende Option, wenn Produktbewertungen, Echtzeit-Versandangebote, Mehrwährungsfunktionen und die weiteren Werkzeuge des ausgewählten Tarifs Ihre Anforderungen abdecken. Mit einem gelisteten Embedded Payment Provider entfällt die Open Payment Provider Fee für die Bestellungen, die dieser Anbieter tatsächlich abwickelt.
Für Kundengruppen und Warenkorbrückgewinnung beginnt die Auswahl bei Growth; für die enthaltenen Produktfilter bei Scale. Bei wachsendem Umsatz müssen die automatischen Tarifwechsel und die monatliche Mehrumsatzgebühr in das Budget passen.
Die Entscheidung am vollständigen Ablauf festmachen
Legen Sie vor der Tarifwahl fest, welcher Anbieter jede benötigte Zahlungsart abwickelt, welche Marketing- und Katalogfunktionen Sie regelmäßig nutzen und welche B2B-Preisstruktur Ihre Kunden brauchen. Ordnen Sie jede Anforderung einem Tarif oder einer konkreten Erweiterung zu. Kalkulieren Sie anschließend den heutigen Betrieb und eine realistische höhere Umsatzstufe getrennt. Bei BigCommerce kann diese höhere Umsatzstufe ein automatisches Upgrade auslösen; bei Shopify können zusätzliche Apps und die gewählte Zahlungsroute die laufenden Kosten bestimmen.