Etsy ist für kleine Shops ohne eigene Zielgruppe eher geeignet, wenn sie über eine Marktplatzsuche Käufer erreichen möchten; Big Cartel passt eher zu Händlern, die selbst Besucher in einen unabhängigen Shop bringen können. Für ein Verkäufer-Bankkonto in Deutschland berechnet Etsy Payments 4 % plus 0,30 € pro Bestellung auf den Gesamtverkaufspreis einschließlich Versand und gegebenenfalls anfallender Umsatzsteuer. Hinzu kommt unter anderem Etsys Transaktionsgebühr von 6,5 % auf den Artikelpreis einschließlich Versand und Geschenkverpackung. Big Cartel erhebt nach eigenen Angaben keine Plattform-Transaktionsgebühr; Zahlungsdienstleister können dennoch eigene Gebühren berechnen.
Die Entscheidung hängt deshalb nicht allein am Gebührenmodell. Ein eigener Shop braucht einen Weg zu seinen Käufern. Umgekehrt schafft eine Marktplatzsuche eine Chance auf Sichtbarkeit, aber keine garantierten Besucher oder Verkäufe.
Etsy oder Big Cartel: der grundlegende Unterschied
Etsy ist ein Marktplatz: Händler stellen Produkte ein, die Käufer innerhalb von Etsy suchen und entdecken können. Big Cartel stellt einen eigenständigen Onlineshop bereit. Die Besuchergewinnung liegt beim Händler. Diese unterschiedlichen Modelle beschreibt auch Big Cartel im Vergleich mit Etsy.
| Merkmal | Etsy | Big Cartel |
| Verkaufsmodell | Marktplatz mit interner Suche | Eigenständiger Onlineshop |
| Besuchergewinnung | Produkte können über die Etsy-Suche entdeckt werden | Händler gewinnt Besucher selbst |
| Plattform-Transaktionsgebühr | 6,5 % auf Artikelpreis einschließlich Versand und Geschenkverpackung | Nach Angaben von Big Cartel keine |
| Einstellgebühr | 0,20 US-Dollar pro Angebot | Nach Angaben von Big Cartel keine |
Für einen neuen Shop kann die interne Suche ein Grund sein, Etsy zu wählen: Der Händler muss nicht zunächst eine eigene Zielgruppe aufbauen, damit seine Produkte überhaupt innerhalb eines Marktplatzes gefunden werden können. Ob daraus Bestellungen entstehen, hängt aber weiterhin davon ab, ob Käufer die Angebote entdecken und sich dafür entscheiden.
Bei Big Cartel ist die entscheidende Frage konkreter: Woher sollen die nächsten Besucher kommen? Eine bestehende Social-Media-Zielgruppe oder wiederkehrende Nachfrage kann eine gute Ausgangslage sein. Sie ersetzt jedoch nicht die Arbeit, Menschen tatsächlich zum eigenen Shop zu führen.
Etsy-Gebühren für ein deutsches Verkäuferkonto
Etsy berechnet unterschiedliche Gebühren für das Einstellen von Produkten, den Verkauf und die Zahlungsabwicklung. Die deutsche Etsy-Payments-Rate richtet sich nach dem Standort des Verkäufer-Bankkontos, nicht nach dem Wohnort des Käufers.
Etsys Gebührenrichtlinie nennt die Transaktions- und Einstellgebühr. Die Etsy-Payments-Gebührentabelle enthält die Zahlungsabwicklungsrate für Bankkonten in Deutschland.
| Gebührenbestandteil | Betrag | Berechnungsgrundlage und Geltungsbereich |
| Transaktionsgebühr | 6,5 % | Artikelpreis einschließlich berechnetem Versand und Geschenkverpackung |
| Zahlungsabwicklung über Etsy Payments | 4 % plus 0,30 € pro Bestellung | Für Verkäufer-Bankkonten in Deutschland; Gesamtverkaufspreis einschließlich Versand und gegebenenfalls anfallender Umsatzsteuer |
| Einstellgebühr | 0,20 US-Dollar pro Angebot | Für das Einstellen eines Angebots |
Zahlungsgebühr und Transaktionsgebühr wirken zusammen
Die Zahlungsabwicklungsgebühr fällt zusätzlich zur Transaktionsgebühr an. Ihre Berechnungsgrundlagen sind dabei unterschiedlich definiert. Insbesondere umfasst die Zahlungsabwicklung auch gegebenenfalls anfallende Umsatzsteuer.
Für die Kalkulation eines Produkts lohnt es sich deshalb, Artikelpreis, berechneten Versand und Geschenkverpackung getrennt zu erfassen. Ein höherer Versandbetrag erhöht ebenfalls die Grundlage der prozentualen Gebühren. Bei Etsy Payments kommt außerdem der feste Betrag von 0,30 € je Bestellung hinzu.
Bestellzahl und Angebotszahl sind unterschiedliche Kostentreiber
Die feste Zahlungsgebühr wird pro Bestellung berechnet, die Einstellgebühr pro Angebot. Damit beeinflussen neben dem Umsatz auch die Zahl der Bestellungen und die Zahl der eingestellten Produkte die Kosten. Viele kleine Bestellungen verteilen den festen Zahlungsbetrag anders auf den Umsatz als wenige größere Bestellungen.
Zusätzliche Gebühren können etwa bei entsprechend zugeordneten Werbeverkäufen anfallen. Auch Erneuerungen von Angeboten und Währungsumrechnungen können die tatsächlichen Kontogebühren beeinflussen. Für die Produktkalkulation sind die einzelnen Gebührenbestandteile daher aussagekräftiger als ein pauschaler Prozentsatz.
Big Cartel: unabhängiger Shop und Plattformgebühr
Big Cartel bietet einen kostenlosen Tarif mit begrenztem Funktionsumfang sowie kostenpflichtige Tarife. Das Unternehmen erklärt, dass es keine Plattform-Transaktionsgebühr und keine Einstellgebühr erhebt. Externe Zahlungsabwicklungsgebühren können trotzdem anfallen.
Für die wirtschaftliche Entscheidung sind damit mehrere Kostenarten relevant: ein gegebenenfalls kostenpflichtiger Shop-Tarif, die Zahlungsabwicklung und die Kundengewinnung. Wer Besucher selbst anziehen muss, sollte dafür sowohl Ausgaben als auch Arbeitszeit einplanen. Die Gebührenstruktur allein entscheidet daher nicht, welches Modell zum Betrieb passt.
Welche Funktionen die kostenpflichtigen Tarife bieten
Die Tarifübersicht von Big Cartel führt für die kostenpflichtigen Tarife unter anderem folgende Funktionen auf:
- eine eigene Domain;
- Bestandsverwaltung und Sammelbearbeitung von Produkten;
- Rabattaktionen;
- Druck von Versandetiketten und Sendungsverfolgung;
- digitale Produkte und Apps;
- Import von Etsy-Produkten.
Diese Funktionen betreffen unterschiedliche Aufgaben im Shop-Alltag. Eine eigene Domain schafft eine separate Shop-Adresse. Bestandsverwaltung und Sammelbearbeitung helfen bei der Pflege des Sortiments. Rabattaktionen unterstützen Verkaufsaktionen, während Versandetiketten und Sendungsverfolgung zur Auftragsabwicklung gehören.
Diamond enthält außerdem die Wiedergewinnung abgebrochener Warenkörbe und bevorzugten technischen Support. Wer diese Funktionen benötigt, hat damit einen konkreten Grund, sich mit diesem Tarif zu beschäftigen. Für einen Händler, dessen wichtigste Aufgabe zunächst die Besuchergewinnung ist, löst eine zusätzliche Shop-Funktion dagegen nicht automatisch das Akquiseproblem.
Besucher, Aufwand und Shop-Kontrolle
Der praktische Unterschied liegt darin, wo Händler ihre Energie einsetzen: bei Etsy innerhalb eines bestehenden Marktplatzes, bei Big Cartel zusätzlich in der Besuchergewinnung für eine eigene Shop-Adresse.
Etsy: Angebote innerhalb der Marktplatzsuche
Bei Etsy steht das einzelne Angebot im Umfeld des Marktplatzes. Für einen Händler ohne eigene Reichweite kann diese Einbindung wertvoll sein, weil potenzielle Käufer bereits dort nach Produkten suchen. Der Nutzen besteht im Zugang zu diesem Entdeckungsweg.
Die Gebühren sollten deshalb zusammen mit der Herkunft der Bestellungen betrachtet werden. Wenn Käufer einen Shop über die Etsy-Suche entdecken, erfüllt der Marktplatz eine andere Aufgabe als eine Verkaufsseite, zu der der Händler bereits selbst sämtliche Besucher bringt.
Big Cartel: eigene Adresse, eigene Besuchergewinnung
Big Cartel ermöglicht mit den kostenpflichtigen Tarifen einen Shop unter eigener Domain. Das ist besonders relevant, wenn ein Händler eine separate Markenpräsenz aufbauen und seine Zielgruppe gezielt dorthin führen möchte.
Für die Planung hilft eine einfache Aufteilung: Welche Aufgaben betreffen den Betrieb des Shops, welche die Gewinnung von Besuchern? Produkte pflegen, Bestände verwalten und Bestellungen versenden gehören zur ersten Gruppe. Die zweite bleibt eine eigene Aufgabe, auch wenn der Shop technisch eingerichtet ist.
Wiederkehrende Käufer und eine Social-Media-Zielgruppe können diesen Weg unterstützen. Entscheidend ist jedoch, ob daraus Besuche und Bestellungen im unabhängigen Shop entstehen. Eine vorhandene Zielgruppe ist eine Ausgangslage, kein zugesicherter Absatz.
Welche Plattform passt zu welchem Shop?
Etsy passt eher, wenn die eigene Zielgruppe erst entsteht
Etsy ist eine naheliegende Wahl, wenn der Händler die interne Marktplatzsuche als Weg zu potenziellen Käufern nutzen möchte. Das kann auch bei zunächst wenigen Verkäufen sinnvoll sein: Der Shop bekommt einen zusätzlichen Entdeckungsweg, während der Händler seine eigene Reichweite aufbaut.
Dabei sollten die Gebühren in die Produktkalkulation eingehen. Besonders bei niedrigen Bestellwerten verdient der feste Zahlungsbetrag Aufmerksamkeit; bei einem breiten Sortiment spielt zusätzlich die Zahl der Angebote eine Rolle.
Big Cartel passt eher, wenn der Händler Besucher selbst erreichen kann
Big Cartel kommt eher infrage, wenn bereits wiederkehrende Nachfrage besteht oder der Händler eine eigene Zielgruppe ansprechen kann. Hinzu kommt die Bereitschaft, einen unabhängigen Shop zu betreiben und dessen Besuchergewinnung dauerhaft zu übernehmen.
Regelmäßiger Absatz kann eine separate Verkaufsadresse interessant machen. Für die Entscheidung sind jedoch nicht nur bisherige Verkäufe wichtig, sondern auch deren Herkunft: Nachfrage über die Etsy-Suche und Nachfrage über die eigene Zielgruppe stellen unterschiedliche Voraussetzungen für einen eigenständigen Shop dar.
Beide Shops parallel nutzen
Ein Händler kann Etsy weiter betreiben und daneben einen Big-Cartel-Shop aufbauen. Etsy bleibt dann ein Marktplatzkanal, während die separate Shop-Adresse einen weiteren Verkaufsweg eröffnet. Ein vollständiger Wechsel ist dafür nicht erforderlich.
Für einen schrittweisen Aufbau ist die operative Belastung entscheidend. Zwei Verkaufsstellen bedeuten, dass Produktpflege, Bestände und Auftragsabwicklung für beide Kanäle eingeplant werden müssen. Eine sinnvolle Arbeitsplanung trennt deshalb den einmaligen Aufbau des zweiten Shops von den laufenden Aufgaben im Betrieb.
Big Cartel führt den Import von Etsy-Produkten sowohl für Platinum als auch für Diamond auf. Damit bieten beide kostenpflichtigen Tarife eine Funktion, mit der sich Etsy-Produkte in den separaten Shop übernehmen lassen.